Wie alles begann

 

Die Geschichte der real voices ist zunächst einmal die Geschichte des von Sibylle, Gregor und Helmut gegründeten „A cappella Trios Haunreiter“, aus dem später die real voices hervorgegangen sind. Bereits in der Kindheit der drei wurden die Weichen für ihren späteren musikalischen Werdegang und letztlich auch für die real voices gestellt.

 

Die Biografien von Helmut und Gregor sind vor allem in der Zeit ihrer Kindheit und Jugend zwangsläufig eng miteinander verwoben – wer kann sich seinen Bruder schon aussuchen!

 

In der Familie von Gregor und Helmut wurde ständig musiziert und gesungen. Der Vater der beiden hatte eine außergewöhnliche Tenorstimme, spielte Akkordeon und Klavier. Er war Autodidakt und hörte immer, wann er beim Begleiten „die Dur wechseln musste“! Die Mutter sang mit ihren Söhnen Kinderlieder, Volkslieder, Weihnachtslieder, Kirchenlieder usw. Es war ein „Familiensport“, beim gemeinsamen Singen spontan eine passende zweite oder dritte Stimme zu erfinden. Musik war allgegenwärtig, lediglich Pfeifen während der Arbeit war verpönt (Gregor und Helmut sind auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen – es gab ständig Arbeit).

 

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde Sibylle in einer Münchner Künstlerfamilie groß. Die Mutter ist Musikpädagogin und spielt hervorragend Klavier, der Vater war Kunstmaler, Architekt und Musikliebhaber. Die kleine Sibylle lauschte ihrer Mutter, wenn sie Mozart und Bach spielte, und ihrem Vater, wenn er Paul Desmond oder die Swingle Singers hörte. Sibylles Oma war eine sehr gute Sängerin und hätte die Möglichkeit gehabt, als Operettensängerin Karriere zu machen. Doch die Zeiten waren bewegt und es kam anders ...

 

Legendär war auch die Stimme von Helmuts und Gregors Oma. Wenn sie gut drauf war, sang sie. Sie war eine Natursängerin, die ohne jemals eine Gesangsstunde gehabt zu haben, alles richtig machte. Ihre einzigartige Altstimme war aufgrund vieler Auftritte in den umliegenden Kirchen in der Region berühmt – ebenso ihre Musikalität. Am liebsten mochte Helmut von ihr „Still, still, weil´s Kindlein schlafen will“. Gregor mochte am liebsten „Schlaf wohl du Himmelsknabe“.

 

Übrigens hat Oma nicht nur wunderschön gesungen: Sie hat Helmut, als er 3 Jahre alt war, beigebracht, eine Schleife zu binden. Er galt von da an – zumindest bei den Erwachsenen – als Wunderkind. Was ihm eher egal war, lieber wäre er, so wie Gregor, der Held der Dorfjugend gewesen.

 

Oma hat Gregor nicht beigebracht, eine Schleife zu binden. Er galt deshalb – zumindest bei den Erwachsenen – nicht als Wunderkind. Dafür war er der Held der Dorfjugend: Mit 10 Jahren bekam er ein schrottreifes aber fahrtüchtiges Goggomobil geschenkt. Weil er mit äußerster technischer Raffinesse heimlich die Sperre der Gangschaltung entfernt hatte, fuhr das Fahrzeug ungefähr 100 Km/h schnell und Gregor brauste mit seinen Passagieren, den Kids aus dem Dorf, in Lichtgeschwindigkeit über die abgemähten Wiesen.

 

Während Gregor noch über die Wiesen brauste, moderierte Sibylle bereits mit 14 Jahren eine Modenschau vor erlesenem Schwabinger Publikum. Schwabing war damals das Künstlerviertel Münchens.

 

Eine glückliche Fügung war es, dass ein bestens ausgebildeter Musiker – er war studierter Kirchenmusiker – in dem kleinen Dorf von Helmut und Gregor lebte: Josef Schneidermeier. Schon ganz früh bekamen Helmut und Gregor bei Herrn Schneidermeier Klavierunterricht. Beide waren enorm begabt – und enorm faul. Trotzdem wurde in diesen „faulen“ Jahren durch Herrn Schneidermeier eine wichtige musikalische Basis gelegt – an dieser Stelle nochmals vielen Dank für die Geduld mit den Haunreiter-Rotzlöffeln.

 

Und in München erhielt Sibylle Klavierunterricht bei Frau Professor Reichelt. Sibylle war enorm begabt – und, im Gegensatzt zu den Haunreiter Brüdern, enorm fleißig.

 

Von nun an begannen Helmut und Gregor allmählich unterschiedliche Wege einzuschlagen.

 

Helmut sah den Film “Der große Caruso” mit Mario Lanza in der Titelrolle. Er war neun Jahre alt und trieb von da an seine Mutter an den Rand des Wahnsinns, weil er alle greifbaren Küchenutensilien zu irgendwelchen Waffen zweckentfremdete, um von nun an singend die Helden der Opern zu mimen.

 

Dieses sängerische ”Feuer” blieb zwar, loderte aber allmählich immer mehr im Hintergrund: Helmut entdeckte das Saxophon und stellte fest, dass ein Sax-Spieler bei den Mädels bessere Karten hatte als ein Kochlöffel schwingender “Don José”.

 

Und in München lernte Sibylle von ihrem Vater, einem hervorragenden Laiengitarristen, das Gitarrespielen. Gleichzeitig begann Sie mit einer absoluten Selbstverständlichkeit zu singen und schnell erste Bühnenerfahrungen als Sängerin zu machen.

 

Helmut wurde Saxophonist. Er begab sich mit 18 Jahren nach München, weil dort ein Sax-Spieler nicht nur bei den Mädels, sondern auch als Musiker bessere Karten hatte als auf dem Land.

 

Gregor hingegen wurde – wie könnte es nach dem Schlüsseerlebnis mit dem Goggomobil anders sein – selbstständiger Kfz-Händler. Warum er seine schöne Naturstimme und seine angeborene Musikalität viele Jahre fast brach liegen ließ, mag wohl auch daran liegen, dass sein Bruder als kämpfender “Operndivo” eher den Anschein erweckt hatte, dass Musiker wohl am besten hinter hohen Mauern in gummigepolsterten Zellen aufgehoben sind.

 

Und in München kreuzten sich die Wege von Sibylle und Helmut. Beide wurden zufällig für dieselbe Gala engagiert – Sibylle als Sängerin und Helmut als Saxophonist.

 

Auf dem Land begann Gregor endlich damit, aus seiner brachliegenden Begabung ernsthaft etwas zu machen. Als Sänger in zahlreichen Chören holte er sich die handwerklichen Voraussetzungen, um vom begabten Laien zum künftigen Mitglied der real voices heranzureifen.

 

Sibylle und Helmut schlossen sich währenddessen nicht nur beruflich immer enger zusammen. Und als Sibylle und Helmut aufs Land zogen, in die Nähe von Gregor, gründeten die drei das „A cappella Trio Haunreiter“.

 

Immer wieder traten die drei erfolgreich bei verschiedensten Veranstaltungen auf und doch fühlten sie sich im Laufe der Zeit musikalisch eingeengt. Dreistimmige Mozart-Nocturni oder Balladen klangen toll. Aber viele Stücke – vor allem aus dem Jazz- und Pop-Bereich – konnten einfach in dieser Minimalbesetzung nicht so realisiert werden, wie sie in den Köpfen der drei klingen sollten. Und so beschlossen sie im Jahr 2013, das Trio zu erweitern – genau zu dem Zeitpunkt, als Johanna, eine ehemalige Gesangsschülerin Sibylles, Ihre Ausbildung an der Abraxas-Musical-Akademie abgeschlossen hatte.

 

Und Johanna zögerte keine Sekunde, als sie gefragt wurde, ob sie als vierte Sängerin dem bisherige Trio beitreten wolle. Damit war auch der Name „A cappella Trio Haunreiter“ Geschichte – die real voices waren geboren. Übrigens hatte der Einstieg Johannas neben dem musikalischen Gewinn für Sibylle einen hoch geschätzten zusätzlichen Nutzen: Die Zeiten als einzige Frau unter Männern waren endlich vorbei!

 

Und wenn schon Veränderung und Erweiterung – dann komplett. Zunächst noch von dem ursprünglichen Namensbestandteil „A cappella“ beeindruckt, stand plötzlich im Raum: „Wenn wir schon bei unserer Programmwahl jedes Etikett ablehnen, brauchen wir uns auch bei der Besetzung von keiner Schablone diktieren zu lassen.“ Nicht ein fünfter Sänger sollte dazukommen, sondern ein Bassist.

 

Und dann gab es diese zufällige Begegnung mit Kajetan. Helmut kannte Kajetan schon von früher und Sibylle hatte vor ziemlich langer Zeit einmal in Kajetans Studio Aufnahmen gemacht. Seitdem hatten sie sich wieder aus den Augen verloren. Bei einem Auftritt - Helmut spielte Saxophon und Sibylle war die Sängerin der Band (ja ja, es gibt auch ein Leben neben den real voices) - war Kajetan glücklicherweise im Publikum. Glücklicherweise nicht nur deshalb, weil die Folge dieser zufälligen Begegnung Kajetans Mitgliedschaft bei den real voices ist: Der Auftritt von Sibylle und Helmut fand unter freiem Himmel statt und eine plötzliche Windböe blies Helmuts Noten vom Pult. Kajetan erkannte blitzschnell die Situation, sammelte die Noten in Lichtgeschwindigkeit ein und platzierte sie wieder auf Helmuts Notenpult - der Song war gerettet.

 

Dass Kajetan - ganz nebenbei: nicht nur ein unglaublich guter Bassist, sondern ein begnadetes "musikalisches Komplettpaket" - gerade zum richtigen Zeitpunkt die Wege der real voices kreuzte ist wohl eine glückliche Fügung!

 

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Johanna bekam Anfang 2015 ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte: Als Hauptdarstellerin und Co-Leiterin einer tollen Musik- und Tanzshow in Spanien unter der andalusischen Sonne für mindestens ein Jahr - wer kann da nein sagen? So sehr wir Johanna vermissen, es musste weitergehen, die real voices brauchten eine neue Sängerin.

 

Da kam die zündende Idee: Helmut kannte Jutta und wusste, dass sie eine sehr gute Sängerin ist. Noch bevor die große Casting-Maschinerie anlaufen sollte, fragte er sie ganz einfach, ob sie daran interessiert sei, bei den real voices einzusteigen - und genauso einfach antwortete Jutta "ja". Mit Jutta haben wir eine Sängerin gefunden, die sich wunderbar in den Ensembleklang einfügt, gleichzeitig aber auch als Solistin tolle Akzente setzen kann. Die real voices sind wieder vollständig - yeah!

 

 

Wer bei dem Foto glaubt, Helmut hält seinen kleinen Bruder, täuscht sich. Gregor stemmt Helmut hoch - er war schon immer etwas anders ...
Die beiden Haunreiter Brüder beim Arbeiten.
Helmut mitten unter seinen ersten Fans.
Sibylle hört Ihrer Mutter beim Klavierspielen zu.
Sibylle spielt Klavier, ihr kleiner Bruder schiebt Klavier.
Sibylle moderiert die Modenschau.